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Kaminkehrer - Innung Oberfranken

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Unser Handwerk in Oberfranken

Vielfältige Unterlagen über das Handwerk der Schlotfeger und Kaminkehrer die noch immer ihrer Auswertung harren, finden sich in den Staatsarchiven Bamberg für den gesam­ten oberfränkischen Bereich und im Staatsarchiv Coburg für den Bereich des ehemaligen Herzogtums Coburg.

Umfangreiches Aktenmaterial gerade aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts zeugen von einer regen Berufstätigkeit unserer Vorgänger. Beispielhaft sind hier nur "Das Schlotfegerhandwerk zu Coburg und dessen Innung" von 1672 und 1673 oder "Das Dekret des Markgraf Georg Wilhelm zu Brandenburg" vom 3. Mai 1720 angeführt. In diesem Dekret ist die Bestellungsurkunde für die "Camin-Feger" Johann Martin von der Witt und Philipp Schiedberger hinterlegt.

Der erstgenannte Kollege war etwa zuständig für die Gebiete der oberfränkischen Städte und Landkreise Bayreuth, Kulmbach, Hof, Wunsiedel, Münchberg, Pegnitz, die markgräfliche Enklave Neustadt am Kulm, in der Oberpfalz gelegen und große Teile der Fränkischen Schweiz. Der zweitgenannte Kollege war im heutigen mittelfränkischen Bereich von Erlangen und Neustadt an der Aisch zuständig.

Die Gebiete von Bamberg, Kronach, Forchheim sowie die westliche Fränkische Schweiz waren darin verständlicher weise nicht aufgeführt, da sie dem Erzbistum bzw. Hochstift Bamberg zugehörig waren.

Aus dieser Zeit sind bereits Tabellen über die Kehrbezirkserträgnisse nachweisbar. Mit Datum vom 8. Dezember 1818 legt der ?untertänigst gehorsamste" Kollege Christoph Höhne ein "Verzeichnis jener Kamine, welche der unterzeichnete Kaminfegermeister zu fegen hat" vor. Dieser Kehrbezirk umfasste die königlichen Landgerichte Gefrees, Weidenberg, Bayreuth und Pegnitz, nach heutigen Maßstäben etwa die gleiche Ausdehnung wie der derzeitige Landkreis Bayreuth. Zu fegen waren genau 3128 Schornsteine, ein Teil viermal ein anderer Teil dreimal jährlich zum Betrag von 876 Gulden.

Wir sollten uns in unserer modernen Zeit vor Augen halten, dass diese Strecken mangels öffentlicher Verkehrsmittel zu Fuß zu den weit verstreuten Dörfern zurückgelegt werden mussten.

Der Kehrbezirksdurchmesser mag 50 Km betragen haben. Schon kurze Zeit später, am 17. März 1824, sind die Kehrbezirke offensichtlich verkleinert worden, denn unter diesem Datum wurde eine "Hauptübersicht der im ganzen Landgerichtsbezirk Weidenberg befindlichen Schornsteine" vorgelegt. Die Besonderheit dieser Hauptübersicht, auch als Kehrbuch zu bezeichnen, besteht darin, dass eine Spalte vorhanden war, die die Angabe ?Entfernung vom Sitz des Kaminfegers" enthielt.

Hier wurde die Entfernung nicht in einem Längenmaß angegeben, sondern in Stunden. Die Angabe von zwei und zweieinhalb Stunden Wegzeit ist keine Seltenheit für die einfache Strecke.
Im Laufe der Zeit erhöhte sich auch in Oberfranken die Anzahl der Kehrbezirke. So gab es im Jahr 1903 in Oberfranken 49 und im Jahr 1908 52 Kehrbezirke, jeweils ohne Coburg, das erst 1920 zu Oberfranken kam.

Eine bemerkenswerte Rasanz hatte diese Entwicklung im Coburger Land allerdings nicht, denn in einer Stellungnahme des Polizeiamts von Coburg vom 3. März 1935 ist von zwei Kehrbezirken in der Stadt Coburg (Roherträgnis 22000,00 Reichsmark), dem Kehrbezirk Coburger Land (6483,00 RM), dem Kehrbezirk Rodach (7066,00 RM), dem Kehrbezirk Neustadt (9000,00 RM) und dem Kehrbezirk Sonnefeld (8757,00 RM). Bemerkenswert ist, dass noch zu dieser Zeit jeder Landkreis eigene Gebühren und Kehrtermine hatte. Diese Problematik musste der Kollege auf dem Kehrbezirk Seßlach, seiner Zeit zum Landkreis Staffelstein gehörend, bewältigen. Zu seinem Kehrbezirk zählten auch noch 14 "coburgische" Ortschaften. Deshalb musste er mit zweierlei Gebühren und Terminen arbeiten.

Heute betreut die Kaminkehrerinnung Oberfranken 145 Kehrbezirke, die sich in vier Obmannschaften gliedern:
- Bamberg: Stadt Bamberg, Landkreis Bamberg, Landkreis Forchheim
- Bayreuth: Stadt Bayreuth, Landkreis Bayreuth, Landkreis Kulmbach
- Coburg: Stadt Coburg, Landkreis Coburg, Landkreis Kronach, Landkreis Lichtenfels
- Hof: Stadt Hof, Landkreis Hof, Landkreis Wunsiedel i. F.

In jeder Obmannschaft sind jeweils ein Obmann und ein Schulungsstellenleiter tätig. Obwohl die Kaminkehrerinnung Oberfranken eine der kleineren Innungen in Bayern ist, kann sich die Ausbildungsbilanz sehen lassen.

Durch die seit 1. Mai 1908 lückenlos nachweisbare Führung der Lehrlingsstammrolle konnten bis zum 1. September 2003 insgesamt 1059 eingetragene Lehrverträge gezählt werden.
Auch in der Lehrlingsstammrolle zeigt der 2. Weltkrieg seine Spuren.

Lehrlinge, die wegen des damals im April beginnenden Schuljahres im Frühjahr 1942 ihre Lehrzeit begannen, konnten und durften die vorgeschriebene Lehrzeit von drei Jahren nicht beenden. Von September bis einschließlich 30. Dezember 1944 wurden die Gesellenprüfungen durchgeführt um im Anschluss daran diese jungen Menschen (Geburtsjahrgänge 1927 und 1928) zum so genannten Volkssturm zu verpflichten.

Im Jahre 1945 fanden in Oberfranken keine Gesellenprüfungen statt.

Die erste Gesellenprüfung nach dem Krieg fand am 22. August 1946 statt. Ihr unterzogen sich 14 Kandidaten, wobei bei mehreren Prüflingen durch den Kriegseinsatz eine Lehrzeit von AVi Jahren feststellbar war.

Ein bemerkenswertes Bild zeigt eine von der Zeit her willkürlich untersuchte Spanne von 1959 bis 1968. Von diesen Gesellenprüfungsjahrgängen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt 31,82% aktive Bezirksschornsteinfegermeister. Diese erstaunliche Anzahl von Kollegen, die aus den verschiedensten Ursachen heraus, unser Handwerk verlassen haben, beweist, dass nicht jeder Bewerber den hohen, in Tradition und Zukunft verankerten Anforderungen gerecht wurde.
Umso bemerkenswerter ist deshalb die hohe Anzahl von Söhnen, die in der dritten und teilweise in der vierten Generation in die beruflichen Fußstapfen ihrer Väter traten. Stellvertretend für die, die hier keine Erwähnung finden, seien hier die Namen Weidner, Schmelmer, Heid, Ruhland, Neuwirth, Ullmann, Schöffel, Rabenstein, Götz, Arzberger, Rister, Koziol und Härtl genannt.

Mit dem alten Leitspruch der Kaminkehrer:

"Einer für alle, alle für einen"



soll diese kleine Rückschau beendet werden. Als Obermeister der Kaminkehrerinnung Oberfranken möchte ich mich recht herzlich beim Kollegen Otto Norbert Grußka bedanken, der nach wie vor bis zum Hals in den alten Unterlagen steckt und der diesen Bericht durch sein "Wühlen" erst ermöglichte.

Richard Herbst, Obermeister





Bundesland: Bayern
- Zentralinnungsverband (ZIV) -


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